von Els Moors, Dichterin von Belgien von 2018 bis 2020.
halt! lass mich weinen und an dich denken
verlassen brüllen die kamele unter
dem wetterleuchten in der wüste
wind facht die feuer an die ich zurückliess.
mit deinem leuchtenden körper bist du
wertvoller für mich als alles gold in meinem
besitz doch ohne deine liebe ist für mich
die lust eine böse schlange
die peitscht mit dem schwanz befiehlt
zwischen kamille und jasmin
bringt mich jeder schritt weiter weg von
dir das zu vergessen zwingst du mich
ich bete ich trinke ich singe ich verbrenne
im auge meines kummers während
die blumen an der wasserstelle
wo die kamele rasten
gelassen die trägen tage dulden
erfüllt mich mein körper nur
noch mit angst ein zelt gefüllt mit
leeren eingeweiden auf der flucht
vor dem unglück das wie ein
backstein aus dem himmel fällt liebster
wo kann ich dich wiederfinden und wann
wie soll ich dann dein kaltes herz
erweichen? für dich bin ich eine
welle im wind ein stern im meer
ein berg in der wüste ein nagel
der auf den schlag hofft
_
Übersetzung: Hans Thill.
Met dank aan de Nationale Loterij en haar Spelers
Met de steun van het Cultureel Samenwerkingsakkoord tussen de Franse en de Vlaamse Gemeenschap.
ich habe das dringende bedürfnis
dieses alte jahr auf den müll zu werfen
ich kenne die scharfen ränder seines sommers
noch und all der anderen jahreszeiten
am ende vom lied bleibt
ein mensch ohnehin nur ein mensch
und nicht zu letzt – ich selbst wehrlos
bereit in diesem nebligen winterlicht
an der apokalypse zugrunde zu gehen
die so lange anhält wie es uns nicht
gelingt wenigstens einen zu retten
der dabei nicht wirklich zählt
ich wünsche dir vögel liebster
blumen kaffeemühlen alles
was dein eitles begehren zum
knirschen bringen kann und nehme dir
gern das letzte fünkchen hoffnung
auf dein privates glück einen düsenflieger
und am ende schließlich kapitalistisch
ungestüm und frivol den tod
in dem leeren jazzigem jahr das vor
uns liegt werde ich wieder einsam
und ganz auf meine weise
in deinem namen tapfer sein versprochen
_
Vertaling: Isabel Hessel van het Brussels Vertaalcollectief.
Met dank aan de Nationale Loterij een haar spelers.
Met de steun van het Cultureel Samenwerkingsakkoord tussen de Franse en Vlaamse Gemeenschap.
so klingt das geräusch des meeres doch in dieser stadt
ertönt zur erinnerung an die anspülenden wellen
zunächst immer das runde singen der möwen
es variiert von ratlosem piepsen auf
einem unsichtbar rhythmisch peitschenden wind
bis hin zum akuten herunterschlucken oder ausspucken
hoher unbestimmter noten hartnäckig verweigern
sie sich jedem akkord dieses grillige
kratzen von hoch bis tief angesetzt
wie ein blasebalg dazu das gejaule
des windes kopierend mit dem ziel
den in sich selbst versunkenen passanten
von natur aus bedächtig jetzt wachzurütteln
ihn sogleich darüber zu informieren
dass er sich an den rändern einer sich weit
ausdehnenden küstenlandschaft befindet
möwen sind die weißen wächter dieses
reiches übermächtig paradieren sie barfuß
an grenzen entlang die allein sie beherrschen
und kontrollieren indem sie auffliegen
sich dann wieder niederlassen in hellen unverfälschten
farben und mit einem unmissverständlichem blick
so sah ich eines morgens eine gruppe von wohl
hundert möwen reglos ruhend am strand
unbeweglich und in stille genau dort wo die morgen-
bleiche gischt der wellen sich nur für kurze zeit
gefährlich brausend ineinander zu haken versuchte um
daraufhin im sand aufzuschlagen sodass die möwen
von meiner warte aus vor gewalt bereits gestorben schienen
nichtssagend standhaltend in dieser reglosen brust wirkten sie
wie skulpturen erst als ein spaziergänger erschien beschlossen sie
wieder auszufliegen auszuschwärmen wenige meter nur
ließen sich schließlich wieder nieder nie höher
fliegend als nötig diesmal sogar kaum
kreischend und einträchtig schweigend
ich weiß nach diesem kleinen sonnenbad werden sie
ebenso lieb lautstark und mit großem flügelschlag
alsbald in verschiedene weltteile davon-
schweben ohne sich wirklich zu bewegen sie werden
sich selbst dabei aus großen höhen haben
herabfallen sehen ohne sich zu verletzen sturzfluten
werden sie immer nur für kurze zeit mit sich
gezogen haben sieh wie sich eine möwe durch
bloßes flügelschlagen in der höchsten dünnen
luft halten kann sieh wie der sich bewegende
himmel über jedem meer die geblähten segel füllt
mühelos schwer beladene schiffe vorwärts schiebt
jeder mit schwingen groß genug und gut
befestigt wird also eines schönen tages
verstanden haben wie man widerstände
überwindet wie man die luft erobert
und bezwingt und sich selbst auf ihr
erhebt
_
Vertaling: Isabel Hessel, het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.
Met dank aan het culturele samenwerkingsakkoord tussen de Vlaamse en Franstalige Gemeenschap.
psalm in der dichtkunst kann ich alles was irgend möglich ist
(frei nach Leonardo Da Vincis (+/- 1481) Brief an Lodovico Sforza, den Herzog von Mailand: Übersetzung des ursprünglichen Textes von Charles Nicholls in „Leonardo Da Vinci, Een biografie“)
–
wann immer es gelegen sein wird werde ich alles
mit vergnügen durch taten meine geheimnisse demonstrieren
offenbaren den entwurf ohne jemandem abbruch zu tun
die funktion der vorhandenen werkzeuge habe ich mir angesehen
und studiert doch sie unterscheiden sich in nichts von den allgemein
üblichen aber ich kenne methoden zur herstellung
außergewöhnlich leichter wenngleich stabiler brücken einfach
zu transportieren ob man mich verfolgt oder mich meidet
und auch noch andere die solider und nicht mit feuer oder gewalt
zu zerstören sind angefertigt aus dem nachhaltigen material
des verlangens nach und der verzweiflung ob deiner schönheit
die vergänglich ist die atmende zartheit deiner haut
und ich weiß wie deine tränen zu stillen sind
wenn dein herz belagert wird und wie jedes entgegenkommen
behutsame worte sturmleitern und andere für diesen zweck
geeignete gegenstände hergestellt werden müssen und ist dein
belagerter körper unter diesem beschuss nicht klein-
zu kriegen wegen der höhe des ufers des
kummers oder der starken lage deiner einsamen existenz
so kenne ich methoden jedes fort oder jedes bollwerk
zu vernichten selbst wenn sie auf dem harten fels deines
unglaubens gebaut sind auch habe ich diverse kanonen äußerst
leicht zu transportieren die die allersüßesten
liebeserklärungen herausschleudern, dass es
wie ein sturmhagel ist und die musik die damit
einhergeht wird dem feind große angst einjagen
meine worte werden herbe verluste und verwirrung
hervorbringen – ich kenne methoden um geräuschlos
unterirdische tunnel und geheime schleichwege
zu bauen um so deine seele zu erreichen und selbst
falls nötig unter einer gracht gar einem fluss aus aller welten
tränen zu graben ich werde gepanzerte gedanken
erschaffen gegen jeden angriff gewappnet die mit ihren
geschützen durch die feindlichen linien brechen und
die von keinem noch so mächtigen menschen aufgehalten
werden können und dahinter können alle menschen die
wie ich der wahrheit des glücks entsprechend
lieben wollen, folgen, völlig unversehrt und ohne
widerstand zu erfahren ich werde kanonen
mörser und leichtes geschütz fabrizieren hübsch anzusehen
und praktisch konstruiert und ganz anders als die gängigen
typen und falls sich diese beschüsse im namen meiner liebe
als nutzlos erweisen werde ich katapulte, balliste, fußangeln
und andere außerordentlich treffsichere instrumente
entwerfen die ungebräuchlich sind und sollte der kampf
auf offener see stattfinden verfüge ich über diverse höchstgeeignete
angriffs- und verteidigungswerkzeuge und fahrzeuge
die stand halten gegen schwere beschüsse schießpulver
rauchentwickler: kurzum für diese unruhigen zeiten die dich
meine liebste für immer von meiner liebe wollen scheiden
_
Vertaling: Isabel Hessel, het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers, met dank aan het culturele samenwerkingsakkoord tussen de Vlaamse en Franstalige Gemeenschap.
Autos fahren ans Meer zum Plastiktütenparadies
je heisser je lieber klar mir geht es mies.
Ich krieg Fieber von der Liebe
Ich krieg Fieber von der Hitze
Ich krieg Fieber von meiner Mutter
kein Baum auf keiner Spitze
ist sicher vor dem Wasser das ansteigt und fällt
je heisser je lieber klar nichtmal für Geld
kaputt ist das Meer und morgen ist es tot
noch einen Schimpansen weiter schon bin ich Gott.
Ich krieg Fieber von der Liebe
Ich krieg Fieber von der Hitze
Ich krieg Fieber von meiner Mutter
kein Baum auf keiner Spitze
ist sicher vor Wasser das ansteigt und fällt
_
Vertaling © Hans Thill.
Beluister het gedicht hier.
Met dank aan de Nationale Loterij en haar Spelers.
Met de steun van het Cultureel Samenwerkingsakkoord tussen de Vlaamse en Franse Gemeenschap.
Dieses siebte Gedicht von Els Moors, ein Video-Gedicht, entstand aus der Reise entlang der belgischen Kanäle und kann als eine Teaser des Dokumentarfilms von Dominique Henry gesehen werden.
Die metallene oberfläche des bleigrauen wassers
tanzend, pochend, schwer wie ein sterbendes tier.
Die wirklichkeit, die wie ein fingerzeig auftaucht
unheilverkündend wie ein schiff im nebeldickicht.
Langsam dämmert es mir, was mich erschaudern lässt,
ist der gedanke an einen verstand, der genau wie meiner
zu allem imstande ist, der die gesamte zukunft
und die gesamte vergangenheit besitzt so wie
der einwärts gewandte blick derer, die dem wasser
folgen. Während helle vögel wie reiter des windes
dem verborgenen licht entgegenfliegen, schutz unter
eine brücke suchend, ohne dabei den strom der zeit oder die zeit des
stromes zu unterbrechen, bleibt jedes ufer, für den einsam
suchenden blick, zweifeln zwischen vorder- und rückseite,
aussicht oder sehkreis, tag oder nacht, wachen oder träumen,
fern oder nah, bis die zweigeteilte landschaft am ende
unbeweglich scheint: eine maske, schwer wie die geschlossene tür
eines gefängnisses, das von verborgenem wissen zeugt, von
geduldigem warten, von unnahbarer stille,
einer freigesungenen langsamkeit der dinge, oder einer erinnerung.
Ein sinkendes schiff, das sich nicht länger nachhause
bringen lässt, auch dieser ort war einst von düsterniss erfüllt.
_
Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.
Geschrieben anlässlich des Projektes IJzer 2018, das VONK & Zonen zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg organisiert.
_
tod du bist schöner
als das mädchen aus bernstein
das hier aus dem schatten tritt
sie fängt das licht
mit ihrem gesicht doch
dein lächeln tod
ist wie eine taube melodie
die wartet und wacht
in allen gesichtern die ich sehe
und es erstaunt mich immer wieder
wie du einen jeden treffen wirst
wie sich dein eisernes gesetz
durch die tiefste dunkelheit frisst
wie jeder schwache ungehörte schrei
deine sense verrät
wie unter deinem beständigen blick
und an deine bleiche seite
niemand sich noch betten wird
_
Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.
Ruisbrousse. Ein Handbuch für den Zoniënwald ist ein Projekt des Nationalen Dichters, Poëziecentrum und Project Horizon+. Els Moors, der Nationale Dichter, ging zusammen mit dem Schriftsteller und Musiker Dirk Elst in den Zoniënwald. Ihre Erfahrungen im Wald und ihre Tonaufnahmen sind die Inspiration für die Gedichte von Els. Darüber hinaus bietet dieses Handbuch Einblicke in die Horizon+ -Projekte.
–
maßlos tief
und maßlos hoch
und lang und breit
mir ist als irre ich
in der weite
des windes umher
zurückgeweht
zu einem anfang
nichts findend
was nicht woanders
schon zum leben
kommen wollte
zersplittert durch
das reinste licht
blind
bin ich
bildlos
ruhend
in allem was unteilbar
durch die welt
strömt
Die Einigung mit Gott, die der geistliche Mensch fühlt, sobald der Herr die Einigung dem Geiste grundlos offenbart, die ist maßlos tief, maßlos hoch, maßlos lang und breit. In dieser Einigung wird der Geist gewahr, daßs er sich selbst durch die Minne entsunken ist in die Tiefe, und entstiegen in die Höhe, und entgangen in die Länge; und er fühlt sich verirrt in die Weite, und fühlt sich wohnend in einer unbekannten Bekanntheit. Und er fühlt sich zerflossen durch das ihm anhaftende Gefühl der Einigung in der Einheit, und durch völliges Ersterben in der Lebendigkeit Gottes.
Aus: Die Zierde des geistlichen Hochzeit. Vom glänzenden Stein. Das Buch von der
höchsten Wahrheit, p. 166, Jan van Ruusbroec, ed. Th. Grieben’s Verlag , Leipzig
z.j., vert. Lambert, F.A.
Sie können die vollständige Publikation hier lesen. Das Hörspiel von drik elst ist hier zu hören
Im Folgenden finden Sie die weiteren Gedichte der Reihe. Sie können die englische Version des Buches hier lesen.
während ich spazieren gehen
versetzte ich meinen schritt
ich ging in mir und mit mir
ging mein körper fort
und alles was ich wusste oder sagte
war darauf vorbereitet um
in diesem meinem sein
zu sein
die sonne spendete licht
in kreisen auf dem boden
und die schatten der blätter
woben dort wachende muster hinein
hellwach träumte ich
meine kinderzeit so lange als ich meinem schritt
voraus sein konnte würde ich der erste sein
meiner selbst der ankommen würde
erst als ich müde geworden
mich vergaß verstand ich die macht
der zerbrechlichkeit dessen
was einfach ohne mich
weitergegangen war
die sonne hat sich in die sonne gestellt
der mond steht im mond
und alle auf die erde prallenden sterne fegen
wie hexenbesen die spuren aus den betten
in die ich ahnungslos mich lege
die welt schlägt einen traurig-rauen takt
und flieht vor dem was ihn stocken lässt
zeigt gähnend ihren ewigalten mund
lechzt nach dem was uns ohnehin verschlingt
noch ist es nicht zu spät! derselbe wind
der tosend durch die bäume singt
weht den schwindeligen schmetterling davon
stochert im feuer der einsamkeit
meinen eigenen trägen flügelschlag
damit ich an seiner seite bleibe
hörst du die müde
amsel singen
wie zwischen brüchigen bäumen
der klang von dröhnendem
metall widerhallt
was wehrlos ist
ist was vibriert
auf den saiten
des ersten instruments
ich weiß nicht wieso weshalb
doch meine ungestümtesten träume
werden von dieser einen melodie
gezämt
ich suche eine stille die langsam ist
komplex wie der lebensraum
von teichhuhn reiher
fisch und ente und an einem
ufer die letzten farben
die sich abends zwischen den
schatten entzünden
das sommerliche purpur und
gelb der höchsten
blumen das giftige rot
des verblühten
aronstabes da und dort
am wegesrand verstreut
keiner da der hier
etwas verloren hat
könnte ich meine spuren
doch enthören
könnte ich dem warten
die stirn bieten
könnte ich nicht sehen
was ich schreibe
an den wildwassern der carwash
wartet der tänzer des schlechten vorzeichens
mit gähnhunger im mund
auf den urknall
wie eine sterbende schildkröte
den himmelsraum spaltet
fliegt ein schmetterling im sanften wind
auf tränen gespießt
kehrt alles um was blass ist
die weißen fersen
vergebens die von einem mann
skandierte freiheit
einer gurrenden taube
die honigräuber
an den lippen
verwilderter blumen
mit vollen wangen
winkt demnächst
der gewinn
der große papierfänger
wirft die sonne zur sonne
den mond zum mond
und den letzten menschen
zum letzten auf die erde
prallenden stern
_
Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.
Inspiriert von Haydn, der Novelle Lenz von Georg Büchner und die letzte Worten von Jezus Christus, „vater vergib ihnen denn sie wissen nicht was sie tun“
–
in diesen bergen will ich sterben
doch ich gehe noch
auf dem kopf
den schritt im nebel
dieser graue wald bebt unter meinen füßen
und könnte ich die nasse erde an den ofen setzen in die stürme des weltalls eindringen
einst alles in mich einsaugen
mit weit aufgesperrtem mund
ich würde mich vornüberbeugen
doch lege ich mich nieder läuft die erde
von mir fort klein wie ein wandelstern
verschwindet sie
in einem großen strom
–
Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.
Im Auftrag von Dichter bij Beeld Middelheim zum Werk ,Die Badenden‘ von Luciano Fabro.
–
wir gingen bis an unsere weißen laken hinein
nicht weiter wir flossen für die welt
wie ein stein im wasser schwebt das sich
kräuselt
und immer wenn es abend wurde
fingen wir blutend an
zu verderben
was uns am morgen leben ließ
dem licht das uns einst zu diesem spiel bewegte
war selber schlecht geworden es schloss die augen jetzt
bis im schaum der leere auch
das feinste licht verschwand
ich sehe mich dort noch zusammengesunken
in der breite des wassers
so düster läuft der sommer
von uns fort
ach ich werde die zeit nicht stoppen
die hier jedes mal aufs neue
neugierig in dieses schwarze wasser
blickt
auch dein gesicht das spiegelt
was das meine will
will ich nicht wehren
aus meinem kleinen aber klar umrissenen sein
bis zur taille bleibe ich
in deiner schwere, bin
und lege auch heute wieder
an deinen tiefen teichen an
und singt die ewigkeit
dies gewaltige herbstlicht
ein nebulöses lied
das alles enden lässt
dann zittere ich
und lass mich durch dich beben
bis ich letztendlich mit dir
sterben muss
_
Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.
meine stadt ist eine des mondes
von corona und havanna und einsam
schlafen gehen von der anderen seite des parks
mit seinen lachenden schwänen
eine des aufsteigenden flugzeugs
der müllsäcke der durchreiche
des bistros der abhängigkeiten die die
staatskasse speisen
eine der verrußten fensterbänke
der verwahrlosten kinder die sich
von cola açaíbeeren ernähren und zwischen
den vom wind verwitterten wohnblöcken
sitzend auf die straßenbahn warten
eine des medienspektakels bis zur nächsten katastrophe
der frauen die die sprache des eroberers
nasal in den mund genommen haben
doch wer bringt unseren mädchen bei nackt
zu reden nicht vom kapital beschmutzt
spülmaschinen mixer warenhäuser
wer kennt die fünfzehn varianten
eine orange zu verzehren
schau mir nicht in die augen ich trage gucci
meine stadt ist ein hit and run
erst die sonne dann eine kühle brise
denke ich darüber nach
wie ich erscheinen will
nehm ich den anfang des lächelns
das ich einst für dich aufhob
und verschenke es verschwenderisch
–
Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.
1
2
3
4
5
6
7
8
1.
unsere städte liegen im regen wenn die asche fällt
sie wohnen im sturm wie schallendes gelächter
an dieser straßenecke bauen wir das haus
kommt es zum spalten der mauern
unser nachbar unser freund
hat den hund mit quecksilber aus eicheln vergiftet
besitz gleichwertig mit der wertigkeit des besitzers
die bäume unserer landschaft bleiben taub für alle unfairen forderungen
grün im frühling wie das spritzen junger tiere
stehen sie in einem rapsfeld gelb wie ein verstoß
unsere geschichte ist ein orchestriertes registrieren des aus
unannehmlichkeiten geborenen chaos
von wichtigen und weniger wichtigen personen
der ausbeutung des freien lichts
in den augen unfreier menschen
die rhythmische notwendigkeit unserer lieder
aus den fasern des papiers gepresst
2.
in häusern wie den unseren werden stammesfehden
rückwärts ausgetragen
um eine halde zu erklimmen reicht es aus um
1. die augen zu schließen und 2. sich der entstehung eines hügels zu erinnern
wir wünschen unserer stadt tiere an graffitiwänden die unseren bewohnern
die in zelten schlafen glück bringen
der sohn des polizisten der über die zahl der minuten wacht die du hierstehen darfst
ohne dass von einer versammlung die rede ist
unsere stadt ist eine steppe
und so geht wieder und wieder eine generation fort von der anderen
häuser und fabriken können nicht abgerissen werden
geld strömt wie wasser zur hintertür hinaus
es herrscht ein kommen und gehen von neuankömmlingen die sich vor einander verstecken
immer ist jemand an einem ort zuhause wo man ihn oder sie
nicht finden kann
3.
in unseren häusern dauert die dämmerung
wenn wir den schleier lüften verschwinden wir in der melancholie des lichts
aus unseren ländern weit weg
wir fallen zwischen die falten der zeit
während unsere kinder
von unsichtbaren rattenfängern abgeholt werden
nach der schule im nahegelegenen wald
von einem exhibitionisten belauert werden
gehäuft auf der straße starren sie auf den einzigen fernseher
durchs fenster der nachbarin
versilbern unsere vorzeigeimmigranten die fenster
indem sie spitzengardinen davorhängen
in unseren städten der mischungen und kreuzungen
spaltet unsere sonne sämtliche achsen von zeit und raum
der übergang von einem ort zum anderen
ist nicht komplizierter
als eine brücke über gleise zu legen
unter der bedingung dass wir mit den zwei seiten
unserer fremden gesichter das licht aufzufangen wissen
4.
wir wohnen in häusern die sich wie badewannen ausdehnen alles hat
bedeutung und ist teil einer geschichte
während vater und mutter die letzten sind die durch das haus trudeln
steht unser sohn wie ein stolzer Kasache aus pappe an der wand
die blumen blühen nachts wie mädchen durch die fenster
alles ist auf augenhöhe oder knapp darunter
wir haben einen engel der sich über uns beugt
eine frau die sagt ich werde dir zeigen wie unsere frauen sterben
sollen wir die brücke verlegen?
so übersetzt wirkt unsere Schelde wie eine schnecke
während unsere dichter komplizierte grimassen schneiden
ziehen unsere fernfahrer kartoffeln auf dem asphalt
wir schicken fotos von den schmetterlingen
auf der motorhaube an die heimatliche front
5.
wenn wir nicht länger herumtigern wohnen wir in schiffen
wie in Sibirien auf großen heizkesseln
andere arten wie wir uns warm zu halten wissen
zwei heizelemente an der vorder- und -rückseite von mutters rock
vater und mutter gehen aufeinander zu, stellen sich vor den ofen, heben
ihre kleider an und zeigen einander ihre nackten unterleiber
unser kapitän bleibt oben und blickt enttäuscht zu den schafen hinüber
er ist nicht in der lage in dieser reihenfolge zu lieben -zu töten -auf zu essen
unsere matrosen singen bis zum morgengrauen
auf kleinen mofas fahren sie falsch einen hügel hinauf
wonach das vorderrad ihres gefährts
einsam vor sich hindreht
auf den boden gefallen schauen sie hoch zu den sternen
denken an die nächste flasche bier im kühlschrank
unsere maler beginnen mit einer idee und fügen sich dann
gern dem gebot der schwerkraft
schlick von schlamm zu unterscheiden
schiffe mit hilfe von liften zu heben
6.
du willst wissen wo wir wohnen
wir wohnen in auf an und jenseits der Meuse
du willst wissen wo wir schwimmen
wir schwimmen auf den hügeln mit unseren freunden
es gab eine zeit da wir uns noch nicht /
für unsere armut schämten
da standen drei sorten konfitüre auf dem tisch
pflaume johannisbeere und rhabarber alle selbst gemacht
vater war eine stimme
die aus jedem unserer bücher sprach
7.
zu unseren füßen liegt das wasser
und am fuße des wassers liegt die bahntrasse
und am fuße der bahntrasse liegt das kernkraftwerk
und am fuße des kernkraftwerks liegt das papier und wartet in hohen stapeln
dass man es abholt
plötzlich scheint es uns nötig den augenblick zu bestimmen
an dem sich löwenzahn
zu einer fusselkugel verwandelt
spricht man von einer übergangsphase
wir haben alle die gabe
uns zu versammeln
unsere kinder halten sich gerade
doch das ist kein grund zur fröhlichkeit
sie müssen sich in der nächsten kurve verstecken
und zeigen auch zur unzeit die zähne
morgens und abends spielen wir ein paar akkorde/
auf einer schäbigen gitarre
wir geben zu verstehen dass es uns gibt
und dass wir dabei sind zu verschwinden
8.
wir sind überall gewesen
und haben beschlossen dass wir nirgendwo anders bleiben können
hier stecken wir unsere wurzeln in den boden
ja wir wollen bleiben
wie der mohn rot und blutig und leichtsinnig und voller ausflüchte
wie der fischer der den köder jahrelang im mund behält
unsere jugend labt sich im quadrat am quadrat und am bier
in einer schale milch
unangerührt ist das wort nach dem wir uns immer sehnen werden
wir vermitteln zwischen dem tal
und wie daraus zu entkommen
wissen nichts von den grenzen
unseres träumerischen reichs
© Guy Kokken
Unseren Newsletter abonnieren
Auf Französisch
Charlotte Poncelet
Maison de la Poésie et de la Langue française
*
+32 (0)81 22 53 49
charlotte [@] maisondelapoesie.be
Auf Niederländisch
Die Dichter*in
Die Partner