Die
GedicHte

von Els Moors, Dichterin von Belgien von 2018 bis 2020. 

halt! lass mich weinen und an dich denken

verlassen brüllen die kamele unter

dem wetterleuchten in der wüste

wind facht die feuer an die ich zurückliess.

 

mit deinem leuchtenden körper bist du

wertvoller für mich als alles gold in meinem

besitz doch ohne deine liebe ist für mich

die lust eine böse schlange

 

die peitscht mit dem schwanz befiehlt

zwischen kamille und jasmin

bringt mich jeder schritt weiter weg von

dir das zu vergessen zwingst du mich

 

ich bete ich trinke ich singe ich verbrenne

im auge meines kummers während

die blumen an der wasserstelle

wo die kamele rasten

 

gelassen die trägen tage dulden

erfüllt mich mein körper nur

noch mit angst ein zelt gefüllt mit

leeren eingeweiden auf der flucht

 

vor dem unglück das wie ein

backstein aus dem himmel fällt liebster

wo kann ich dich wiederfinden und wann

wie soll ich dann dein kaltes herz

 

 

erweichen? für dich bin ich eine

welle im wind ein stern im meer

ein berg in der wüste ein nagel

der auf den schlag hofft

 

_

Übersetzung: Hans Thill.
Met dank aan de Nationale Loterij en haar Spelers
Met de steun van het Cultureel Samenwerkingsakkoord tussen de Franse en de Vlaamse Gemeenschap.

 

ich habe das dringende bedürfnis

dieses alte jahr auf den müll zu werfen

ich kenne die scharfen ränder seines sommers

noch und all der anderen jahreszeiten

 

am ende vom lied bleibt

ein mensch ohnehin nur ein mensch

und nicht zu letzt – ich selbst wehrlos

bereit in diesem nebligen winterlicht

 

an der apokalypse zugrunde zu gehen

die so lange anhält wie es uns nicht

gelingt wenigstens einen zu retten

der dabei nicht wirklich zählt

 

ich wünsche dir vögel liebster

blumen kaffeemühlen alles

was dein eitles begehren zum

knirschen bringen kann und nehme dir

 

gern das letzte fünkchen hoffnung

auf dein privates glück einen düsenflieger

und am ende schließlich kapitalistisch

ungestüm und frivol den tod

 

in dem leeren jazzigem jahr das vor

uns liegt werde ich wieder einsam

und ganz auf meine weise

in deinem namen tapfer sein versprochen

 

_
Vertaling: Isabel Hessel van het Brussels Vertaalcollectief.
Met dank aan de Nationale Loterij een haar spelers.
Met de steun van het Cultureel Samenwerkingsakkoord tussen de Franse en Vlaamse Gemeenschap.

 

so klingt das geräusch des meeres doch in dieser stadt

ertönt zur erinnerung an die anspülenden wellen

zunächst immer das runde singen der möwen

es variiert von ratlosem piepsen auf

 

einem unsichtbar rhythmisch peitschenden wind

bis hin zum akuten herunterschlucken oder ausspucken

hoher unbestimmter noten hartnäckig verweigern

sie sich jedem akkord dieses grillige

 

kratzen von hoch bis tief angesetzt

wie ein blasebalg dazu das gejaule

des windes kopierend mit dem ziel

den in sich selbst versunkenen passanten

 

von natur aus bedächtig jetzt wachzurütteln

ihn sogleich darüber zu informieren

dass er sich an den rändern einer sich weit

ausdehnenden küstenlandschaft befindet

 

möwen sind die weißen wächter dieses

reiches übermächtig paradieren sie barfuß

an grenzen entlang die allein sie beherrschen

und kontrollieren indem sie auffliegen

 

sich dann wieder niederlassen in hellen unverfälschten

farben und mit einem unmissverständlichem blick

so sah ich eines morgens eine gruppe von wohl

hundert möwen reglos ruhend am strand

 

 

unbeweglich und in stille genau dort wo die morgen-

bleiche gischt der wellen sich nur für kurze zeit

gefährlich brausend ineinander zu haken versuchte um

daraufhin im sand aufzuschlagen sodass die möwen

 

von meiner warte aus vor gewalt bereits gestorben schienen

nichtssagend standhaltend in dieser reglosen brust wirkten sie

wie skulpturen erst als ein spaziergänger erschien beschlossen sie

wieder auszufliegen auszuschwärmen wenige meter nur

 

ließen sich schließlich wieder nieder nie höher

fliegend als nötig diesmal sogar kaum

kreischend und einträchtig schweigend

ich weiß nach diesem kleinen sonnenbad werden sie

 

ebenso lieb lautstark und mit großem flügelschlag

alsbald in verschiedene weltteile davon-

schweben ohne sich wirklich zu bewegen sie werden

sich selbst dabei aus großen höhen haben

 

herabfallen sehen ohne sich zu verletzen sturzfluten

werden sie immer nur für kurze zeit mit sich

gezogen haben sieh wie sich eine möwe durch

bloßes flügelschlagen in der höchsten dünnen

 

luft halten kann sieh wie der sich bewegende

himmel über jedem meer die geblähten segel füllt

mühelos schwer beladene schiffe vorwärts schiebt

jeder mit schwingen groß genug und gut

 

befestigt wird also eines schönen tages

verstanden haben wie man widerstände

überwindet wie man die luft erobert

und bezwingt und sich selbst auf ihr

 

erhebt

 


_
Vertaling: Isabel Hessel, het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.
Met dank aan het culturele samenwerkingsakkoord tussen de Vlaamse en Franstalige Gemeenschap.

 

psalm in der dichtkunst kann ich alles was irgend möglich ist

(frei nach Leonardo Da Vincis (+/- 1481) Brief an Lodovico Sforza, den Herzog von Mailand: Übersetzung des ursprünglichen Textes von Charles Nicholls in „Leonardo Da Vinci, Een biografie“)

 

 

wann immer es gelegen sein wird werde ich alles

mit vergnügen durch taten meine geheimnisse demonstrieren

 

offenbaren den entwurf ohne jemandem abbruch zu tun

die funktion der vorhandenen werkzeuge habe ich mir angesehen

 

und studiert doch sie unterscheiden sich in nichts von den allgemein

üblichen aber ich kenne methoden zur herstellung

 

außergewöhnlich leichter wenngleich stabiler brücken einfach

zu transportieren ob man mich verfolgt oder mich meidet

 

und auch noch andere die solider und nicht mit feuer oder gewalt

zu zerstören sind angefertigt aus dem nachhaltigen material

 

des verlangens nach und der verzweiflung ob deiner schönheit

die vergänglich ist die atmende zartheit deiner haut

 

und ich weiß wie deine tränen zu stillen sind

wenn dein herz belagert wird und wie jedes entgegenkommen

 

behutsame worte sturmleitern und andere für diesen zweck

geeignete gegenstände hergestellt werden müssen und ist dein

 

belagerter körper unter diesem beschuss nicht klein-

zu kriegen wegen der höhe des ufers des

 

kummers oder der starken lage deiner einsamen existenz

so kenne ich methoden jedes fort oder jedes bollwerk

 

zu vernichten selbst wenn sie auf dem harten fels deines

unglaubens gebaut sind auch habe ich diverse kanonen äußerst

 

leicht zu transportieren die die allersüßesten

liebeserklärungen herausschleudern, dass es

 

wie ein sturmhagel ist und die musik die damit

einhergeht wird dem feind große angst einjagen

 

meine worte werden herbe verluste und verwirrung

hervorbringen – ich kenne methoden um geräuschlos

 

unterirdische tunnel und geheime schleichwege

zu bauen um so deine seele zu erreichen und selbst

 

falls nötig unter einer gracht gar einem fluss aus aller welten

tränen zu graben ich werde gepanzerte gedanken

 

erschaffen gegen jeden angriff gewappnet die mit ihren

geschützen durch die feindlichen linien brechen und

 

die von keinem noch so mächtigen menschen aufgehalten

werden können und dahinter können alle menschen die

 

wie ich der wahrheit des glücks entsprechend

lieben wollen, folgen, völlig unversehrt und ohne

 

widerstand zu erfahren ich werde kanonen

mörser und leichtes geschütz fabrizieren hübsch anzusehen

 

und praktisch konstruiert und ganz anders als die gängigen

typen und falls sich diese beschüsse im namen meiner liebe

 

als nutzlos erweisen werde ich katapulte, balliste, fußangeln

und andere außerordentlich treffsichere instrumente

 

entwerfen die ungebräuchlich sind und sollte der kampf

auf offener see stattfinden verfüge ich über diverse höchstgeeignete

 

angriffs- und verteidigungswerkzeuge und fahrzeuge

die stand halten gegen schwere beschüsse schießpulver

 

rauchentwickler: kurzum für diese unruhigen zeiten die dich

meine liebste für immer von meiner liebe wollen scheiden

 

 

_

Vertaling: Isabel Hessel, het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers, met dank aan het culturele samenwerkingsakkoord tussen de Vlaamse en Franstalige Gemeenschap.

Autos fahren ans Meer zum Plastiktütenparadies

je heisser je lieber klar mir geht es mies.

 

Ich krieg Fieber von der Liebe

Ich krieg Fieber von der Hitze

Ich krieg Fieber von meiner Mutter

kein Baum auf keiner Spitze

 

ist sicher vor dem Wasser das  ansteigt und fällt

je heisser je lieber klar nichtmal für Geld

 

kaputt ist das Meer und morgen ist es tot

noch einen Schimpansen weiter schon bin ich Gott.

 

Ich krieg Fieber von der Liebe

Ich krieg Fieber von der Hitze

Ich krieg Fieber von meiner Mutter

kein Baum auf keiner Spitze

 

ist sicher vor Wasser das  ansteigt und fällt

 


_
Vertaling © Hans Thill.
Beluister het gedicht hier.
Met dank aan de Nationale Loterij en haar Spelers.
Met de steun van het Cultureel Samenwerkingsakkoord tussen de Vlaamse en Franse Gemeenschap.

 

Dieses siebte Gedicht von Els Moors, ein Video-Gedicht, entstand aus der Reise entlang der belgischen Kanäle und kann als eine Teaser des Dokumentarfilms von Dominique Henry gesehen werden.

 

Die metallene oberfläche des bleigrauen wassers

tanzend, pochend, schwer wie ein sterbendes tier.

 

Die wirklichkeit, die wie ein fingerzeig auftaucht

unheilverkündend wie ein schiff im nebeldickicht.

 

Langsam dämmert es mir, was mich erschaudern lässt,

ist der gedanke an einen verstand, der genau wie meiner

 

zu allem imstande ist, der die gesamte zukunft

und die gesamte vergangenheit besitzt so wie

 

der einwärts gewandte blick derer, die dem wasser

folgen. Während helle vögel wie reiter des windes

 

dem verborgenen licht entgegenfliegen, schutz unter

eine brücke suchend, ohne dabei den strom der zeit oder die zeit des

 

stromes zu unterbrechen, bleibt jedes ufer, für den einsam

suchenden blick, zweifeln zwischen vorder- und rückseite,

 

aussicht oder sehkreis, tag oder nacht, wachen oder träumen,

fern oder nah, bis die zweigeteilte landschaft am ende

 

unbeweglich scheint: eine maske, schwer wie die geschlossene tür

eines gefängnisses, das von verborgenem wissen zeugt, von

 

geduldigem warten, von unnahbarer stille,

einer freigesungenen langsamkeit der dinge, oder einer erinnerung.

 

Ein sinkendes schiff, das sich nicht länger nachhause

bringen lässt, auch dieser ort war einst von düsterniss erfüllt.

 


_
Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.

 

Geschrieben anlässlich des Projektes IJzer 2018, das VONK & Zonen zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg organisiert.  
_

 

tod du bist schöner

als das mädchen aus bernstein

das hier aus dem schatten tritt

sie fängt das licht

 

mit ihrem gesicht doch

dein lächeln tod

ist wie eine taube melodie

die wartet und wacht

 

in allen gesichtern die ich sehe

und es erstaunt mich immer wieder

wie du einen jeden treffen wirst

wie sich dein eisernes gesetz

 

durch die tiefste dunkelheit frisst

wie jeder schwache ungehörte schrei

deine sense verrät

 

wie unter deinem beständigen blick

und an deine bleiche seite

 

niemand sich noch betten wird

 


_

Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.

 

 

Ruisbrousse. Ein Handbuch für den Zoniënwald ist ein Projekt des Nationalen Dichters, Poëziecentrum und Project Horizon+. Els Moors, der Nationale Dichter, ging zusammen mit dem Schriftsteller und Musiker Dirk Elst in den Zoniënwald. Ihre Erfahrungen im Wald und ihre Tonaufnahmen sind die Inspiration für die Gedichte von Els. Darüber hinaus bietet dieses Handbuch Einblicke in die Horizon+ -Projekte.

 

 

maßlos tief

und maßlos hoch

und lang und breit

 

mir ist als irre ich

in der weite

des windes umher

 

zurückgeweht

zu einem anfang

nichts findend

 

was nicht woanders

schon zum leben

kommen wollte

 

zersplittert durch

das reinste licht

blind

 

bin ich

bildlos

ruhend

 

in allem was unteilbar

durch die welt

strömt

 

Die Einigung mit Gott, die der geistliche Mensch fühlt, sobald der Herr die Einigung dem Geiste grundlos offenbart, die ist maßlos tief, maßlos hoch, maßlos lang und breit. In dieser Einigung wird der Geist gewahr, daßs er sich selbst durch die Minne entsunken ist in die Tiefe, und entstiegen in die Höhe, und entgangen in die Länge; und er fühlt sich verirrt in die Weite, und fühlt sich wohnend in einer unbekannten Bekanntheit. Und er fühlt sich zerflossen durch das ihm anhaftende Gefühl der Einigung in der Einheit, und durch völliges Ersterben in der Lebendigkeit Gottes.

Aus: Die Zierde des geistlichen Hochzeit. Vom glänzenden Stein. Das Buch von der
höchsten Wahrheit, p. 166, Jan van Ruusbroec, ed. Th. Grieben’s Verlag , Leipzig
z.j., vert. Lambert, F.A.

 

Sie können die vollständige Publikation hier lesen. Das Hörspiel von drik elst ist hier zu hören

Im Folgenden finden Sie die weiteren Gedichte der Reihe. Sie können die englische Version des Buches hier lesen.

 

während ich spazieren gehen

versetzte ich meinen schritt

ich ging in mir und mit mir

ging mein körper fort

 

und alles was ich wusste oder sagte

war darauf vorbereitet um

in diesem meinem sein

zu sein

 

die sonne spendete licht

in kreisen auf dem boden

und die schatten der blätter

woben dort wachende muster hinein

 

hellwach träumte ich

meine kinderzeit so lange als ich meinem schritt

voraus sein konnte würde ich der erste sein

meiner selbst der ankommen würde

 

erst als ich müde geworden

mich vergaß verstand ich die macht

der zerbrechlichkeit dessen

was einfach ohne mich

 

weitergegangen war

 


 

die sonne hat sich in die sonne gestellt

der mond steht im mond

und alle auf die erde prallenden sterne fegen

wie hexenbesen die spuren aus den betten

 

in die ich ahnungslos mich lege

 

die welt schlägt einen traurig-rauen takt

und flieht vor dem was ihn stocken lässt

zeigt gähnend ihren ewigalten mund

lechzt nach dem was uns ohnehin verschlingt

 

noch ist es nicht zu spät! derselbe wind

der tosend durch die bäume singt

weht den schwindeligen schmetterling davon

stochert im feuer der einsamkeit

 

meinen eigenen trägen flügelschlag

damit ich an seiner seite bleibe

 


 

hörst du die müde

amsel singen

wie zwischen brüchigen bäumen

der klang von dröhnendem

metall widerhallt

was wehrlos ist

ist was vibriert

auf den saiten

des ersten instruments

ich weiß nicht wieso weshalb

doch meine ungestümtesten träume

werden von dieser einen melodie

 

gezämt

 


 

ich suche eine stille die langsam ist

komplex wie der lebensraum

von teichhuhn reiher

fisch und ente und an einem

ufer die letzten farben

die sich abends zwischen den

schatten entzünden

 

das sommerliche purpur und

gelb der höchsten

blumen das giftige rot

des verblühten

aronstabes da und dort

am wegesrand verstreut

 

keiner da der hier

etwas verloren hat

könnte ich meine spuren

doch enthören

könnte ich dem warten

die stirn bieten

 

könnte ich nicht sehen

was ich schreibe

 


 

an den wildwassern der carwash

wartet der tänzer des schlechten vorzeichens

mit gähnhunger im mund

auf den urknall

 

wie eine sterbende schildkröte

den himmelsraum spaltet

fliegt ein schmetterling im sanften wind

auf tränen gespießt

 

kehrt alles um was blass ist

die weißen fersen

vergebens die von einem mann

skandierte freiheit

 

einer gurrenden taube

die honigräuber

an den lippen

verwilderter blumen

 

mit vollen wangen

winkt demnächst

der gewinn

 

der große papierfänger

wirft die sonne zur sonne

den mond zum mond

 

und den letzten menschen

zum letzten auf die erde

prallenden stern

 

 

_
Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.

 

Inspiriert von Haydn, der Novelle Lenz von Georg Büchner und die letzte Worten von Jezus Christus, „vater vergib ihnen denn sie wissen nicht was sie tun“

 

 

in diesen bergen will ich sterben

doch ich gehe noch

auf dem kopf

den schritt im nebel

 

dieser graue wald bebt unter meinen füßen

und könnte ich die nasse erde an den ofen setzen in die stürme des weltalls eindringen

einst alles in mich einsaugen

 

mit weit aufgesperrtem mund

 

ich würde mich vornüberbeugen

doch lege ich mich nieder läuft die erde

von mir fort klein wie ein wandelstern

 

verschwindet sie

in einem großen strom

 

 


Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.

 

Im Auftrag von Dichter bij Beeld Middelheim zum Werk ,Die Badenden von Luciano Fabro.

 

 

wir gingen bis an unsere weißen laken hinein
nicht weiter wir flossen für die welt
wie ein stein im wasser schwebt das sich
kräuselt

und immer wenn es abend wurde
fingen wir blutend an
zu verderben
was uns am morgen leben ließ

dem licht das uns einst zu diesem spiel bewegte
war selber schlecht geworden es schloss die augen jetzt
bis im schaum der leere auch
das feinste licht verschwand

ich sehe mich dort noch zusammengesunken
in der breite des wassers
so düster läuft der sommer
von uns fort

ach ich werde die zeit nicht stoppen
die hier jedes mal aufs neue
neugierig in dieses schwarze wasser
blickt

auch dein gesicht das spiegelt
was das meine will
will ich nicht wehren
aus meinem kleinen aber klar umrissenen sein

bis zur taille bleibe ich
in deiner schwere, bin
und lege auch heute wieder
an deinen tiefen teichen an

und singt die ewigkeit
dies gewaltige herbstlicht
ein nebulöses lied
das alles enden lässt

dann zittere ich
und lass mich durch dich beben
bis ich letztendlich mit dir
sterben muss

 

_

Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.

 

meine stadt ist eine des mondes
von corona und havanna und einsam
schlafen gehen von der anderen seite des parks
mit seinen lachenden schwänen

 

eine des aufsteigenden flugzeugs
der müllsäcke der durchreiche
des bistros der abhängigkeiten die die
staatskasse speisen

 

eine der verrußten fensterbänke
der verwahrlosten kinder die sich
von cola açaíbeeren ernähren und zwischen
den vom wind verwitterten wohnblöcken

 

sitzend auf die straßenbahn warten
eine des medienspektakels bis zur nächsten katastrophe
der frauen die die sprache des eroberers
nasal in den mund genommen haben

 

doch wer bringt unseren mädchen bei nackt
zu reden nicht vom kapital beschmutzt
spülmaschinen mixer warenhäuser
wer kennt die fünfzehn varianten

 

eine orange zu verzehren
schau mir nicht in die augen ich trage gucci
meine stadt ist ein hit and run
erst die sonne dann eine kühle brise

 

denke ich darüber nach
wie ich erscheinen will
nehm ich den anfang des lächelns
das ich einst für dich aufhob

 

und verschenke es verschwenderisch

 



Vertaling © Isabel Hessel en de andere leden van het Brussels Vertalerscollectief.
Met de steun van de Nationale Loterij en haar spelers.

 

1


مدننا هي في المطر عند سقوط الرماد

يعيشون في العاصفة مثل الضحك الرنّان

 
في هذه الزاوية من الشارع نبني الدار

 جَرَى انقسام الجدران

 
جارنا صديقنا

  تسمم الكلب بازئبق البلوط

 
الممتلكات التي تساوي  قيمة المُمْتَلِك

 ألا شجار في محيطنا تظل طَرَشًا لأي طلب ظالم

أخضر في فصل الربيع مثل وسم الحيوانات الصغيرة

يقفون مُصْفَرّ كجريمة في حَقْل بذور اللفت

 
تاريخنا هو تَوْثِيق مُسَيّر بلبلْبلة التي ولدت من الوقحة

من الأشخاص المهمين والأشخاص أقل الأهمية

استغلال الضوء الحر

في إعْتِبَار  الناس المُجْبر ين

الإيقاعية المرْجوّ من أَناشِيدنا

عصير من ألياف الورق


2

 
في البيوت مثل بيوتنا النزاعات القبلية تصارع بِالمَقْلُوب

 
لتسلق على تَلّ  فحم يكفي أن

١ أن تغمض عينيك و ٢ أن تسْتحْضر ولادة تَلّ في ذِكْرياتك

 
  نتمنى لمدينتنا حيوانات مرسومة على الجدران التي تجلب حظا سعيدا لسكاننا الذين ينامون في الخيام

ابن الشرطي الدي يراقب عدد الدقائق التي يمكن لنا خلالها الوقوف بدون اتهام بالغوغائية

 
مدينتنا هي سافانا

وكدلك عتزل مرارا وتكرارا أجيال عن أجيال

لا يمكن هدم المنازل والمصانع

تدفّقات النقود مثل الماء من الباب الخلفي

 
وهو الذهاب والاياب  الوافدين الجدد الذين يختبئون عن بعضهم البعض

   هناك دائما أحد في المنزل في مكان حيث لا يمكن الاِكْتشف عنه أو عنها

 
3

 
في بيوتنا يستمر الشفق

عندما نرفع الحجاب نختفي في حزن ضوء أراضينا البعيدة

نسقط بين التجاعيد الزمن

 
بينما التقطت أطفالنا من باب إلى باب با طريقة الساحر الفئران المحجوب

 
 تجسس عنهم  اسْتِعْراء بعد المدرسة في الغابة ليست بعيدة عن هناك

 يتجمعون في الشارع لمشاهدة التلفزيون الوحيد
عبر نافذة الجار

 
قدوة مهاجرينا فضض النوافذ بواسطة التعليق دنْتِيلا

 
في مدننا با الطرق المتقاطعة والتَّعابُر

 شمسنا تنقش  كل المحاور المكانية والزمنية

الانتقال من مكان إلى آخر

ليس أكثر تعقيدا

 
كا وضع جسر فوق المسارات

 
بشرط أن نعلم كيف نتلقى

 الضوء باجانبين وجهنا الغريب


4

 
نحن نعيش في منازل التي تمتد مثل أحواض الاستحمام كل شيء له معنى وهو جزء من قصة

 
 بينما الأب والأم يرفرف عبر المنزل مُتَأَخِّر

 
ابننا يتكئ على الجدار مثل الكازاخستاني فخور من لَوْح كرتونيّ

في الليل الزهور تزدهر مثل الفتيات من النوافذ

 
كل شيء على مستوى العين أو أقل بقليل

 
لدينا ملاك يركز علينا

امرأة تقول أنا سأريكم كيف تموت نساءنا

 
هل تريد أن نحرك الجسر؟

كذلك يترجم نهر نا شخيلت مثل الحلزون

 
بينما شعراءنا تجهّمت وجوههم بطريقةٍ عسِيرة

سائقي شاحناتنا يزرع البطاطس على الزَفّت

نرسل إلى أهْلِنا صور الفراشات على غطاء المحرك السيارة


5

 
لم توقفنا عن الذهابا والايابا مثل دب في قفص نحن نعيش في القوارب كما في سيبيريا على مواقد النار كبيرة

 
طرق أخرى للبقاء دافئا عناصرين التدفئ أمام وخلف تَنُّورَةٌ أمي

الأب والأم يقتربا، وضع أنفسهم، أمام مو قد النار، رفع ملابسهم، عرض بعضهم البعض بطونهم العارية

 
قبطان سفينتنا يبقى في الأعلى ويشاهد الأغنام محبطا لآنه غير قادر على هذا

 الترتيب: أن يحب-أن يقتل- أن يأكل

 
بحّارة سفينتنا يغنيان حتى الفجر

 بالخطأ يسلقنا التل بالدراجة النارية الصغيرة

 
بعد ذلك العجلة الأمامية ستمرت الدوران في الهوى مهْجورة

 
سقطن على الأرض ينظرنا إلى النجوم ويفكرنا في الزجاجات بِيرة المقبلة التي تجد في الثلاجة

 
رسامونا ينطلق من فكرةٍ ثم يستسلم أنفسهم إلى متطلبات الجاذبية

للتمييز بين الحمأة والطين

ترفع السفن باستخدام المصاعد

 
6

 
هل تريد أن تعرف أين نعيش

 
نحن نعيش في قرب وعلى مدى ميوز

  نحن نسبح على التلال مع أصدقائنا

 
كان زمانا حيث كن لم نخجل عن فقرينا

 
كانت هناك ثلاثة أنواع من مربى الفاكهة على الطاولة

برقوق كشمش والراوند كلهم صناعة مَنْزِلِيّ

 
كان الأب صوتا

الذي كان يخاطبنا عبر جميع كتبنا


7

 
عند أقدامنا هناك ماء

 
وعند أقدام الماء هناك سكة حديدية

 
وعند أقدام سكة حديدية هناك محطة للطاقة النووية
وعند أقدام محطة للطاقة النووية هناك أكوام كبيرة من ورق تنتظر

أن يأتي التقطهم

فجأة يبدو لنا الضرورة  التحديد الحظة حيث يتم تحويل الهندباء

 
عندما تصبح كرة من زغب

هناك مرحلة في ما بينهما

 
لدينا جميع الموهبة لجمعنا

 
 أطفالنا يستمر واقفين صامدين

 
ولكن ليس هناك سبب لنفرح

يجب أن يختبئ في المنعطف المقبل

وان يبين أسنانهم سواء كان ذلك مناسبا أم لا

في الصباح وفي المساء نعزف بعض الحبال على غيتار أعرج

نحن نوضح أننا موجودون وأننا مشغولون بفناء

 
8

 
كنا في كل مكان

وقررنا أننا لا نستطيع البقاء في أي مكان آخر

 
هذا هو المكان الذي نغرق جذورنا في الأرض

 
نعم نريد البقاء

 
مثل الخشخاش أحمر ودموي و لعوب طائش و مليئ بالحيل

 
مثل الصياد الذي يحفظ الطعم في فمه لسنوات

شبابنا يتغذى في المربع بالمربع و البيرة

 
في وعاء من الحليب

 
نبقى نشْتهِي إلى الكلمة الأصِيلة

 
نحن نتوسط بين الأخدود

وكيفية الهروب

نجهل الحدود

في مملكتنا الوهمية

1.


unsere städte liegen im regen wenn die asche fällt
sie wohnen im sturm wie schallendes gelächter

an dieser straßenecke bauen wir das haus
kommt es zum spalten der mauern

unser nachbar unser freund
hat den hund mit quecksilber aus eicheln vergiftet

besitz gleichwertig mit der wertigkeit des besitzers

die bäume unserer landschaft bleiben taub für alle unfairen forderungen
grün im frühling wie das spritzen junger tiere
stehen sie in einem rapsfeld gelb wie ein verstoß

unsere geschichte ist ein orchestriertes registrieren des aus
unannehmlichkeiten geborenen chaos

von wichtigen und weniger wichtigen personen
der ausbeutung des freien lichts

in den augen unfreier menschen
die rhythmische notwendigkeit unserer lieder

aus den fasern des papiers gepresst

2.

in häusern wie den unseren werden stammesfehden
rückwärts ausgetragen

um eine halde zu erklimmen reicht es aus um
1. die augen zu schließen und 2. sich der entstehung eines hügels zu erinnern

wir wünschen unserer stadt tiere an graffitiwänden die unseren bewohnern
die in zelten schlafen glück bringen
der sohn des polizisten der über die zahl der minuten wacht die du hierstehen darfst
ohne dass von einer versammlung die rede ist

unsere stadt ist eine steppe

und so geht wieder und wieder eine generation fort von der anderen
häuser und fabriken können nicht abgerissen werden
geld strömt wie wasser zur hintertür hinaus

es herrscht ein kommen und gehen von neuankömmlingen die sich vor einander verstecken
immer ist jemand an einem ort zuhause wo man ihn oder sie
nicht finden kann

3.

in unseren häusern dauert die dämmerung

wenn wir den schleier lüften verschwinden wir in der melancholie des lichts
aus unseren ländern weit weg

wir fallen zwischen die falten der zeit

während unsere kinder
von unsichtbaren rattenfängern abgeholt werden

nach der schule im nahegelegenen wald
von einem exhibitionisten belauert werden

gehäuft auf der straße starren sie auf den einzigen fernseher
durchs fenster der nachbarin

versilbern unsere vorzeigeimmigranten die fenster
indem sie spitzengardinen davorhängen

in unseren städten der mischungen und kreuzungen
spaltet unsere sonne sämtliche achsen von zeit und raum

der übergang von einem ort zum anderen
ist nicht komplizierter

als eine brücke über gleise zu legen

unter der bedingung dass wir mit den zwei seiten
unserer fremden gesichter das licht aufzufangen wissen

4.

wir wohnen in häusern die sich wie badewannen ausdehnen alles hat
bedeutung und ist teil einer geschichte

während vater und mutter die letzten sind die durch das haus trudeln

steht unser sohn wie ein stolzer Kasache aus pappe an der wand
die blumen blühen nachts wie mädchen durch die fenster

alles ist auf augenhöhe oder knapp darunter

wir haben einen engel der sich über uns beugt
eine frau die sagt ich werde dir zeigen wie unsere frauen sterben

sollen wir die brücke verlegen?
so übersetzt wirkt unsere Schelde wie eine schnecke

während unsere dichter komplizierte grimassen schneiden
ziehen unsere fernfahrer kartoffeln auf dem asphalt

wir schicken fotos von den schmetterlingen
auf der motorhaube an die heimatliche front

5.

wenn wir nicht länger herumtigern wohnen wir in schiffen
wie in Sibirien auf großen heizkesseln

andere arten wie wir uns warm zu halten wissen
zwei heizelemente an der vorder- und -rückseite von mutters rock

vater und mutter gehen aufeinander zu, stellen sich vor den ofen, heben
ihre kleider an und zeigen einander ihre nackten unterleiber

unser kapitän bleibt oben und blickt enttäuscht zu den schafen hinüber
er ist nicht in der lage in dieser reihenfolge zu lieben -zu töten -auf zu essen

unsere matrosen singen bis zum morgengrauen
auf kleinen mofas fahren sie falsch einen hügel hinauf

wonach das vorderrad ihres gefährts
einsam vor sich hindreht

auf den boden gefallen schauen sie hoch zu den sternen
denken an die nächste flasche bier im kühlschrank

unsere maler beginnen mit einer idee und fügen sich dann
gern dem gebot der schwerkraft

schlick von schlamm zu unterscheiden
schiffe mit hilfe von liften zu heben

6.

du willst wissen wo wir wohnen
wir wohnen in auf an und jenseits der Meuse

du willst wissen wo wir schwimmen
wir schwimmen auf den hügeln mit unseren freunden

es gab eine zeit da wir uns noch nicht /
für unsere armut schämten

da standen drei sorten konfitüre auf dem tisch
pflaume johannisbeere und rhabarber alle selbst gemacht

vater war eine stimme
die aus jedem unserer bücher sprach

7.

zu unseren füßen liegt das wasser
und am fuße des wassers liegt die bahntrasse
und am fuße der bahntrasse liegt das kernkraftwerk
und am fuße des kernkraftwerks liegt das papier und wartet in hohen stapeln

dass man es abholt

plötzlich scheint es uns nötig den augenblick zu bestimmen
an dem sich löwenzahn

zu einer fusselkugel verwandelt
spricht man von einer übergangsphase

wir haben alle die gabe
uns zu versammeln

unsere kinder halten sich gerade

doch das ist kein grund zur fröhlichkeit
sie müssen sich in der nächsten kurve verstecken

und zeigen auch zur unzeit die zähne
morgens und abends spielen wir ein paar akkorde/
auf einer schäbigen gitarre

wir geben zu verstehen dass es uns gibt
und dass wir dabei sind zu verschwinden

8.

wir sind überall gewesen
und haben beschlossen dass wir nirgendwo anders bleiben können

hier stecken wir unsere wurzeln in den boden

ja wir wollen bleiben

wie der mohn rot und blutig und leichtsinnig und voller ausflüchte
wie der fischer der den köder jahrelang im mund behält
unsere jugend labt sich im quadrat am quadrat und am bier
in einer schale milch

unangerührt ist das wort nach dem wir uns immer sehnen werden

wir vermitteln zwischen dem tal
und wie daraus zu entkommen
wissen nichts von den grenzen

unseres träumerischen reichs

 

 © Guy Kokken

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